Im Neolithikum

  • Vor dem Eingang des Table des Marchand

    Neunutzung im Neolithikum

    Mit der Errichtung des mehr als 70 Meter langen und an eine Stufenpyramide erinnernden Cains von Barnenez, als ältestes bekanntes Bauwerk dieser Art in der nördlichen Bretagne, begann um 4700 v. Chr. die europäische Megalith-Epoche. Früh schon wurden die gewaltigen Menhir-Kolonnen, die Alignements, erbaut. Aufrechte Steinpfeiler wurden in Reihen angeordnet, die in ihren extremen Ausprägungen in dem Ort Carnac mit den Steinreihen von Le Menec, Kermario und Kerlescan eine Gesamtausdehnung von fast vier Kilometern erreichen.
    Auch außerhalb der direkten Umgebung von Carnac, bis hin zum Golf von Morbihan, dem „kleinen Meer“, das aus dem Atlantik gespeist wird, will dieser Gigantismus nicht enden.

    Krummstäbe auf dem abschließenden Tragstein des Table des Marchand
    Krummstäbe auf dem abschließenden Tragstein des Table des Marchand

    Am Rande des Fischerortes Locmariaquer stehen gleich mehrere solche Denkmäler dicht beieinander. Auf einem gemeinsamen Gelände finden sich hier der Tumulus von Er Grah, der Table des Marchand und der Grand Menhir Brisé (oft kurz als Grand Menhir bezeichnet)
    Der Grand Menhir Brisé (dt. der große Menhir) ist vermutlich der größte Menhir, der je errichtet wurde. Aufgestellt wurde er um 4500 v. Chr. Mit ehemals insgesamt 20,60 Meter Höhe und einem Gewicht von satten 350 Tonnen liegt er heute in vier Stücke zerbrochen am Boden. Wie es dazu kam, ist seit langem Gegenstand verschiedener Spekulationen. Blitzschlag oder ein Erdbeben wurden angenommen. Bruno Kremer glaubte gar, der Menhir hätte von Beginn an aus diesen vier Einzelstücken, die übereinander getürmt worden, bestanden. Zu erkennen glaubte er das anhand vermeintlich geglätteter Bruchkanten. Jacques Briard weist auf den Umstand hin, dass das Kopfstück verdreht liegt, was dann äußerst ungewöhnlich sei, wenn der Menhir durch natürliche Ursachen umgestürzt wäre.

    Wir werden auf diese Fragestellung noch zurückkommen, doch muss zuvor der Table des Marchand in den Mittelpunkt rücken. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um ein Ganggrab von 10,40 Meter Länge, aus der Zeit um 3900 v. Chr. bis 3700 v. Chr., bestehend aus gewaltigen Steinplatten (mit bis zu 40 Tonnen Gewicht) und von einem Hügel aus Trockenmauerwerk und Rollsteinen umgeben ist, der jedoch eine Rekonstruktion durch die Archäologen darstellt.

    Spektakulär an diesem Megalithgrab sind Ritzzeichnungen an den Seitenwänden und der großen Deckplatte. Der tragende Orthostat (Tragstein) ist mit einer Reihe von Krummstäben verziert, während der Deckstein eine Hacke zeigt.

     

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