Kultische Nutzung heute
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Kultische Nutzung heute
Neuheidentum, Wicca-Kult und New Age sind verschiedene Bewegungen, die sich heutzutage an alten Glaubensrichtungen orientieren und diese als eigentümliche moderne Religionen und esoterische Spielereien ausleben. Megalithische Bauwerke haben es diesen Bewegungen besonders angetan.
Bereits vor mehr als zwanzig Jahren wurde ich indirekt damit konfrontiert. Ich war in Schleswig-Holstein unterwegs, um Großsteingräber zu besichtigen und kam dann in der Dämmerung zum Gut Sophienhof. Seinerzeit gab es noch keine Handynavigation, doch ich wusste von einem Großsteingrab hier. Also ging ich direkt zum Hof, um nachzufragen. Es wurde gerade ein Fest veranstaltet und die Gutsbesitzerin lud mich freundlich ein, diesem beizuwohnen. Als ich nach der Besichtigung des Megalithgrabes fragte, wurde sie stutzig und fragte, weshalb ich dies tun wolle (zumal es ja bereits dunkel wurde). Sie erzählte dann davon, dass hier des Nachts häufiger Aktivitäten am Dolmen stattfinden würden, die sie als „schwarze Messen“ bezeichnete und natürlich nicht gutheißen wolle.
Ich verweilte noch ein wenig auf der Hoffeier und entschied mich, an einem anderen Tag wiederzukommen.Der Dolmen vom Gut Sophienhof bei Tag Die mystische Atmosphäre, die Stonehenge einst umgeben haben muss, ist inzwischen gewichen. Bus für Bus werden heute täglich Tausende von Besucherinnen und Besucher herangekarrt und in weitem Abstand um das altehrwürdige Monument herum geschleust. Und auf den Wiesen drum herum sieht man sie dann sitzen. Neureligiöse EsoterikerInnen, gerne geschmückt mit Blumen und alten Gewändern, oft auch bewaffnet mit einer Gitarre, sitzen sie im Kreis zusammen, halten sich bei den Händen und singen gemeinsam. Viele dieser Menschen sehen sich als Erben der Druiden. Die falsche Vorstellung, Stonehenge wäre ein keltisches Bauwerk, stammt hierbei von Gelehrten des Mittelalters, ohne ein entsprechendes Sagengut in der lokalen Bevölkerung.
Besonders zur Sommersonnenwende am 21. Juni eines jeden Jahres, werden Stonehenge und weitere Megalithanlagen in Wiltshire Anlaufpunkt für Tausende von Neu-Kelten, Esoterikern und New-Age-Anhängern, die neben Trommeln und Gitarren oftmals auch berauschende Pflanzen mit sich führen und konsumieren. Bei einem Besuch der Region an diesem Tag im Jahr 2023, konnte der Verfasser das Spektakel live mitverfolgen. Im Rahmen dieses bunten Treibens kam es auch zu Opferniederlegungen an den Megalithen. Besonders bunt geschmückt wurde der West Kennet Long Barrow, ein etwa hundert Meter langer, trapezoider Hügel, in dessen Inneren ein beachtliches Megalithgrab schlummert.
Sicherlich ist dies jedoch nur ein Abklatsch der alten Rituale, die hier jahrhundertelang abgehalten wurden.
Eisenzeitlicher Steinkreis „Rote Maaß“ bei Damp in Schleswig-Holstein Besonders ausgeprägt scheinen derartige kultische Feiern bei der Roten Maaß nahe dem Gut Damp in Schleswig-Holstein zu sein. Entlegen in einem kleinen Waldstück zwischen den Feldern, befindet sich hier ein erst in den 1960er Jahren entdeckte Steinkreis. 1964 getätigte Grabungen weisen darauf hin, dass es sich um einen Kultplatz aus der nachchristlichen Eisenzeit zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert nach Christus handelt.
An den Steinkreis schließen sich eine Reihe rechteckiger Steinsetzungen an. Innerhalb wie außerhalb des Steinkreises fanden sich insgesamt 15 Urnenbestattungen.
Was die Rote Maaß in unserem Kontext interessant macht, ist die Tatsache, dass man bei Besuchen immer wieder die Reste ausgeprägter kultischer Aktivitäten findet, wie an folgendem Foto illustriert werden soll.Derartige Beobachtungen lassen sich immer wieder machen. Bei einem Besuch der „Dolmengöttin von Langeneichstädt“ im September 2024, lagen Muscheln und in diesen Münzen zu Füßen des Menhirs.
Ein etwa 1,60 Meter aus dem Boden ragender Menhir in Krkavče in Slowenien weißt interessante Reliefs von menschlichen Gestalten auf, die von Strahlen umgeben sind. Auch hier fanden sich bei einem Besuch im Oktober 2024 Spuren ritueller Handlungen in Form von Teelichtern.
Die Münze in einem der runden Löcher um die Nische des Fraubillenkreuzes, die der Verfasser bei seinem Besuch am Karfreitag 2023 entdeckte, ist womöglich sogar als christliche Opfergabe zu verstehen.Muscheln und Münzen zu Füßen der Dolmengöttin von Langeneichstädt Die Koordinaten der im Buch beschriebenen Megalithen