Megalithen im Nationalsozialismus
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Megalithen im Nationalsozialismus
1933 bis 1945 wurde Deutschland von einem Regime regiert, das Terror und Schrecken über Europa brachte und die Welt in den zweiten großen Krieg stürzte. Die Nationalsozialisten rund um ihren Führer Adolf Hitler vertraten hierbei als weltanschaulichen Unterbau, der ihren Taten als Rechtfertigung diente, eine krude Mischung aus hanebüchener Rassenlehre, Geschichtsverklärung und in Teilen einen Hauch von Okkultismus, Esoterik und Verschwörungsglauben.
In diesen großen Rassenkampf, jener der nordischen Arier gegen die Semiten, wurden auch „der Germane“ und seine Vergangenheit verklärt und die Historie der nordeuropäischen Völker zu ruhmreichen Heldenzeiten umgedeutet.Auch die Megalithen wurden natürlich mit einbezogen! Beeindruckend sind exemplarisch die geradezu absurd hanebüchenen Ideen des 1881 geborenen Architekten Hermann Wille. Protegiert von einigen NS-Größen, glaubte Wille, die Großsteingräber des Oldenburger Raums seien im Grunde nur die Fundamente ehemaliger Hallenbauten, die für kultische Zwecke genutzt worden seien. Die Erbauer dieser megalithischen Hallen seien jungsteinzeitliche Germanen gewesen und ihre Bauwerke waren die Vorläufer der griechischen Tempel und gotischen Kathedralen.
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Die Idee, die nordischen Vorfahren seien die Kulturbringer für die Völker im Süden gewesen, wie zum Beispiel Hermann Wille es auch propagierte, wenn er etwa annimmt, sich in Griechenland und Italien ansiedelnde Germanen hätten deren Kulturen erst zur vollen Blüte gebracht, bis diese durch Rassenvermischung wieder zerfiel , vermag sich hierbei nicht so recht aufzudrängen. Schließlich soll selbst Hitler in privaten Tischgesprächen geäußert haben, dass er sich in Anbetracht der Erdhaufen in unseren Landen, verglichen mit den architektonischen Bauleistungen etwa der Römer, schämen würde. Bezogen auf die durch Heinrich Himmler initiierten Grabungen soll er geäußert haben:
Warum stoßen wir die ganze Welt darauf, daß wir keine Vergangenheit haben? Nicht genug, daß die Römer schon große Bauten errichteten, als unsere Vorfahren noch in Lehmhütten hausten, fängt Himmler nun an, diese Lehmdörfer auszugraben und gerät in Begeisterung über jeden Tonscherben und jede Steinaxt, die er findet.
Die Antwort auf diese offensichtliche kulturelle Diskrepanz konnte für die Nationalsozialisten und auch neue Rechte nur lauten, dass die Germanen in Wahrheit die Kulturbringer waren, die unter den Völkern im Süden die Zivilisation verbreiteten.
Riesenbett im Kleckerwald, von dem völkischen Privatforscher Hermann Wille als Fundament eines germanischen Hallenbaus gedeutet Der Nazi-Ideologe und SS-Führer Heinrich Himmler selbst war es, der Verklärungen rund um die „germanische Vergangenheit“ Vorschub leistete und vielen hanebüchenen Ideen von Laienforschern Unterstützung zuteilwerden ließ. So gründete er gemeinsam mit Hermann Wirth, einem solchen Laienforscher, der an eine arische Urheiheimat auf Atlantis glaubte, im Juli 1935 die „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe e. V.“, über die viele derartige „Forschungen“ finanziert wurden, die den Unmut der Fachwissenschaftler erregten. Hitler selbst zeigte sich hiervon nicht begeistert und 1937 kam es zu einer Umstrukturierung des Ahnenerbes, bei der die Laienforscher weitgehend durch Fachwissenschaftler ersetzt wurden.
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Natürlich ist jede nationalsozialistische und völkische Vereinnahmung prähistorischer Denkmäler Unsinn. Weder lassen sich rassistische Abstammungstheorien mit diesen beweisen, im Gegenteil, zeugen kulturelle Veränderungen doch immer auch von Ein- und Abwanderung verschiedener Volksgruppen, noch deuten die steinernen Monumente Nord- und Mitteleuropas auf eine Ur-Kultur hin. Die Monumente im Westen, Süden und Osten sind oft um ein Vielfaches älter. Anders ausgedrückt, entgegen der Annahme, die „nordische Rasse“ sei die überlegene gewesen, erweisen sich die Ursprünge der Kultur als aus den westlichen, südlichen und östlichen Regionen kommend.