Schalengruben

  • Bronzezeitlicher Schalenstein aus dem Silkeburg-Museum in Dänemark

    Schalensteine

    Mit dem Ende des Neolithikum endete auch in weiten Teilen Kontinentaleuropas die klassische Megalith-Epoche. Aus gewaltigen Dolmen wurden kleinere Steinkistengräber und Einzelbestattungen. Der Wunsch, Höhlen für die Ewigkeit zu schaffen, ging zurück. Trotzdem kam es immer wieder zu Nachbestattungen in alten Megalithgräbern. Und manchmal wurden über den alten Hügelgräbern noch neue Hügel aufgeschüttet, in diesen zusätzlich verborgen, oft Baumsargbestattungen.
    Doch ein weiteres Phänomen scheint davon zu zeugen, dass der Glaube an die magische Kraft, die man den alten Gräbern zusprach, noch nicht erloschen war: das Phänomen der Schalensteine.

    Schalenstein mit Schiffsdarstellung in der Gutskirche von Kirke Såby in Dänemark.
    Schalenstein mit Schiffsdarstellung in der Gutskirche von Kirke Såby in Dänemark.

    Schalensteinen sind Steine, in die künstlich kleine Vertiefungen in Naturstein eingelassen wurden. Oft findet man derartige Schälchen auf den Decksteinen von Megalithgräbern. Ihre genaue Funktion ist bis heute unbekannt.

    Möglicherweise wurde in ihnen Flüssigkeit von Opfern, vielleicht sogar Blut oder warme Butter aufgefangen. Im Fall des Schalensteins von Bunsoh hat ein Vermessungsingenieur gar die These vertreten, es handele sich um eine Flur- und Sternenkarte. Möglicherweise ging es jedoch auch weniger um die Schalengruben selbst, das Interesse galt dem bei ihrer Herstellung entstehenden Gesteinsmehl. Denn noch vom Mittelalter bis hinein in die Neuzeit wurde Gesteinsmehl aus Schalensteinen herausgekratzt und fand Verwendung als Medizin und sollte gegen Unfruchtbarkeit helfen.
    In Dänemark und Schleswig-Holstein wurden bis in das vorige Jahrhundert hinein überdies Krankheiten in die Schälchen „hineingepustet“, was für Gisela Graichen auf die geglaubte heilsame Wirkung des Gesteinsmehls zurückgehen könnte.

    Dies ist nicht nur mit eine weitere spätere Nutzung von Megalithbauwerken, sondern stellt obendrein eine weitere Verbindung mit Fruchtbarkeitsriten unbekannter Genese dar.

     

     

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